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Es werden Posts vom November, 2025 angezeigt.

Leben ausgesperrt

Der größte Schmerz, den die chronische Krankheit ME CFS mit sich bringt, ist die erzwungene Isolation – die Notwendigkeit, das echte Leben auszusperren. Um Aufregung und emotionale Ausschläge, egal ob positiv oder negativ, tunlichst zu vermeiden, ziehe ich mich in eine Parallelwelt zurück und beschäftige mich mit völlig unwichtigen Dingen. ​Ein aktuelles Beispiel ist die Schweizermeisterschaft im Zughundesport, die gerade in unserer Region stattfindet. Unser Sohn, der Fünftplatzierte der letzten Weltmeisterschaft, tritt dort an. ​Obwohl das Rennen direkt vor der Haustür liegt, ist eine Teilnahme für mich unmöglich. Ich weiß, dass ich mich innerlich zu stark engagieren und mitfiebern würde. Daher bleibe ich zu Hause, höre langweilige Hörbücher, vermeide Gedanken ans Rennen und liege vor mich hin. Am Abend werde ich lediglich ein paar Stichworte zum Verlauf und zur Platzierung erfahren – das muss genügen. ​Dieses Verhalten, mich so radikal zurückzuziehen und jede Art von innerem Mitge...

KKL sausen lassen

Vor einem halben Jahr war es nur ein Klick und dann kam die Vorfreude: Wir hatten Tickets für ein Konzert im KKL in Luzern gebucht. Es war ein ambitioniertes Vorhaben und klang nach Freiheit und Abenteuer: Gemütlich mit dem Camper nach Luzern reisen, auf einem Parkplatz nur zwei S-Bahn-Minuten vom KKL entfernt übernachten und, ganz wichtig, das Konzert mit montiertem Gehörschutz besuchen. Ich hatte mich unendlich auf diesen Abend gefreut – ein Stück Normalität, ein Hauch von altem Leben. Doch wie so oft, wenn man das Leben plant, grätscht es unvermittelt dazwischen. Dieses Mal kam es in Form eines unbarmherzigen Trios: winterliche Temperaturen, schlechtes Wetter und ein kranker Hund. Die rutschigen Straßen wurden zum Sinnbild für unsere davonschlitternde Unternehmung. Wir blieben einmal mehr zu Hause. Eine spontane Entscheidung, die guten Plätze online zu verschenken, sorgte dann wohl bei einigen für Irritation. Konzert? Anreise? ME CFS? Die Gleichung geht für viele nicht auf. Und da...

Als Geisel genommen

Schon lange hatte ich mich darauf gefreut: ein Gulasch. Nicht hastig zusammengekocht, sondern an einem ruhigen Tag stundenlang gemächlich im Saucengemüse schmorend. Währenddessen hatte ich in der Küche auf dem Sofa gelegen, Wache haltend, während der Topf seine Arbeit verrichtete. ​Heute, vier Tage später, war es so weit: Die Kasserolle mit dem Gulasch wanderte in den Ofen um aufzuwärmen und die Aromen noch zu vertiefen. Die erste Komponente konnte aus den Augen gelassen werden. Nun war Kartoffeln schälen und Gemüse rüsten angesagt. Die  Kartoffeln wanderten direkt in einen Topf mit kaltem Wasser und warteten dort auf ihr Schicksal.  Nun dünstete ich das Gemüse an und platzierte es neben der Kasserolle im Ofen zum Warmhalten. Die zweite Komponente war bereit. ​Dann die Kartoffeln: Gekocht, abgegossen, zu einem Püree gestampft und mit Buttermilch zur samtigen Konsistenz gebracht, dampften sie schon bald auf dem Tisch. Auch die dritte Komponente war fertig. ​Es war ein lecker...