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Leben ausgesperrt

Der größte Schmerz, den die chronische Krankheit ME CFS mit sich bringt, ist die erzwungene Isolation – die Notwendigkeit, das echte Leben auszusperren. Um Aufregung und emotionale Ausschläge, egal ob positiv oder negativ, tunlichst zu vermeiden, ziehe ich mich in eine Parallelwelt zurück und beschäftige mich mit völlig unwichtigen Dingen. ​Ein aktuelles Beispiel ist die Schweizermeisterschaft im Zughundesport, die gerade in unserer Region stattfindet. Unser Sohn, der Fünftplatzierte der letzten Weltmeisterschaft, tritt dort an. ​Obwohl das Rennen direkt vor der Haustür liegt, ist eine Teilnahme für mich unmöglich. Ich weiß, dass ich mich innerlich zu stark engagieren und mitfiebern würde. Daher bleibe ich zu Hause, höre langweilige Hörbücher, vermeide Gedanken ans Rennen und liege vor mich hin. Am Abend werde ich lediglich ein paar Stichworte zum Verlauf und zur Platzierung erfahren – das muss genügen. ​Dieses Verhalten, mich so radikal zurückzuziehen und jede Art von innerem Mitge...

KKL sausen lassen

Vor einem halben Jahr war es nur ein Klick und dann kam die Vorfreude: Wir hatten Tickets für ein Konzert im KKL in Luzern gebucht. Es war ein ambitioniertes Vorhaben und klang nach Freiheit und Abenteuer: Gemütlich mit dem Camper nach Luzern reisen, auf einem Parkplatz nur zwei S-Bahn-Minuten vom KKL entfernt übernachten und, ganz wichtig, das Konzert mit montiertem Gehörschutz besuchen. Ich hatte mich unendlich auf diesen Abend gefreut – ein Stück Normalität, ein Hauch von altem Leben. Doch wie so oft, wenn man das Leben plant, grätscht es unvermittelt dazwischen. Dieses Mal kam es in Form eines unbarmherzigen Trios: winterliche Temperaturen, schlechtes Wetter und ein kranker Hund. Die rutschigen Straßen wurden zum Sinnbild für unsere davonschlitternde Unternehmung. Wir blieben einmal mehr zu Hause. Eine spontane Entscheidung, die guten Plätze online zu verschenken, sorgte dann wohl bei einigen für Irritation. Konzert? Anreise? ME CFS? Die Gleichung geht für viele nicht auf. Und da...

Als Geisel genommen

Schon lange hatte ich mich darauf gefreut: ein Gulasch. Nicht hastig zusammengekocht, sondern an einem ruhigen Tag stundenlang gemächlich im Saucengemüse schmorend. Währenddessen hatte ich in der Küche auf dem Sofa gelegen, Wache haltend, während der Topf seine Arbeit verrichtete. ​Heute, vier Tage später, war es so weit: Die Kasserolle mit dem Gulasch wanderte in den Ofen um aufzuwärmen und die Aromen noch zu vertiefen. Die erste Komponente konnte aus den Augen gelassen werden. Nun war Kartoffeln schälen und Gemüse rüsten angesagt. Die  Kartoffeln wanderten direkt in einen Topf mit kaltem Wasser und warteten dort auf ihr Schicksal.  Nun dünstete ich das Gemüse an und platzierte es neben der Kasserolle im Ofen zum Warmhalten. Die zweite Komponente war bereit. ​Dann die Kartoffeln: Gekocht, abgegossen, zu einem Püree gestampft und mit Buttermilch zur samtigen Konsistenz gebracht, dampften sie schon bald auf dem Tisch. Auch die dritte Komponente war fertig. ​Es war ein lecker...

Pumps ausgepackt

Das Paket ist angekommen. Ein unscheinbarer Karton, der mein kleines, privates Glück birgt: wunderschöne dunkelblaue Pumps aus samtweichem Velours-Ziegenleder. Ein Material, das sich anfühlt wie ein Versprechen auf ein Glas Sekt und leise Dinnermusik.  ​Da stehen sie, makellos und perfekt, und ich habe keine Ahnung, wann ich sie zum ersten Mal tragen werde. Sie warten auf ihren Moment. Wird es ein festliches Essen im Familienkreis sein? Oder vielleicht ein kurzer Ausflug zu zweit in eine Pianobar? Ich weiss noch nicht, was möglich wird. Vorerst sind sie meine geheime Waffe in der Schlacht um positive Energie. ​Der Weg zu diesen Schuhen ist so persönlich wie die Wahl selbst. Das herkömmliche Shoppen ist für mich keine Option mehr – es ist ein Marathon, der mich in Minuten erschöpft: Der Transfer kostet schon die halbe Energie. ​Die Kakophonie der Geräusche und Farben und die unvermeidliche Interaktion mit dem Verkaufspersonal geben mir den Rest. ​Deshalb hat sich mein Shoppingerl...

Liegen geblieben

Aktuell ist es wieder ruhig bei mir. 19 von 24 Stunden verbringe ich liegend, weil die Energie nur für wenige Minuten aufs Mal reicht und jede Anstrengung ein Risiko ist. Die letzten Wochen haben mein System einmal mehr überfordert. Zu viel Aufregung während der Zügelzeit, obwohl ich physisch abwesend war. Zu viel Freude über all das Neue in der Wohnung. Zu viele Lieferanten, die schöne Dinge brachten. Zu oft schön statt schnell gekocht. Zu viel mitgedacht und mitgemacht. Und... z u viel hoffnungsvolle Vorfreude auf Camperferien, ich werde berichten...  All das zusammen hat zu einem erneuten, Energieeinbruch und einer Verschlechterung meines Zustandes geführt. Es bleibt die Hoffnung, dass das konsequente Ruhen und Pacen mit der Zeit eine Erholung ermöglichen. * Text anhand diktierter Notizen mit Hilfe von KI verfasst

Haare gewaschen

Haach, ich mag die Haare schön! Früher war das morgendliche Waschen und Frisieren eine selbstverständliche Routine, die mich gestylt ins Büro brachte. Heute? Heute ist das Trocknen und Frisieren meiner Haare ein Kraftakt . Allein das Föhnen über Schulterhöhe zehrt an den Kräften, und der Anspruch, dass es am Ende auch schön  aussehen soll, verbraucht viel Konzentration. Deshalb sieht mein Ritual heute - zweimal, in guten Zeiten dreimal pro Woche - so aus: Nach der Dusche wickle ich meine Haare in ein Handtuch und verordne mir erstmal eine Liegepause. Nach dieser Erholung und mit gut angetrockneten Haaren wage ich den nächsten Schritt: In neunzig Sekunden bringe ich sie in Form - ungefähr, jedenfalls. Und was passiert dann? Richtig, ich lege mich wieder hin... ​Damit hat der Satz "Wahre Schönheit kommt von innen" für mich eine ganz neue Bedeutung gewonnen! * Text anhand diktierter Notizen mit Hilfe von KI verfasst

Bilder aufgehängt

Unser Umzug war eine logistische Meisterleistung. Schon Monate im Voraus begann ich, häppchenweise die Schränke durchzusehen und auszusortieren, was nicht mehr mitkommen musste. Doch in der heissen Phase des Packens, des eigentlichen Umzugs und des Einräumens musste ich in den Ausstand treten – als wäre ich selber vorübergehend aussortiert. Eine Freundin überliess mir Gästezimmer und Sofa, reduzierte das Licht im Wohnzimmer und ertrug viele stille Stunden, wenn mir Gespräche zu viel waren. Sieben Umzüge hatte ich für unsere ganze Familie organisiert, zwei davon von der Deutsch-Schweiz aus für das Tessin. Ich habe es geliebt, das Organisieren, das Managen, das Vorwärtsmachen. Jetzt aber war ich auf dem Abstellgleis, eine Woche lang parkiert. Es war schwer auszuhalten. Doch dann holte Urs mich ab, und ich kam in der neuen Wohnung an: Alle Schachteln waren ausgepackt, alle Dinge eingeräumt. Ich durfte sagen, wo welches Bild aufgehängt werden sollte, und so wurde es umgesetzt.  Jetzt...